hier und fort

Kloster Maulbronn

und …

Ein Stück Welt(kultur)erbe in Baden-Württemberg

An der A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe weist in der Nähe von der Ausfahrt Pforzheim-Nord ein Schild auf eins der Welterbestätten der UNESCO im Südwesten Deutschlands hin, das ehemalige Zisterzienserkloster Maulbronn. Mindestens ein Mal im Jahr biege ich hier tatsächlich ab und fahre die fünfzehnminütige Strecke durch das Kraichgau für eine kleine Auszeit in schöner Atmosphäre. Nicht immer zahle ich den Eintritt um in den Kreuzgang und die Kirche zu gelangen. Oft trinke ich nur eine Tasse Kaffee im Innenhof der Anlage oder erkunde die Umgebung.

Das Kloster Maulbronn wurde Anfang des 12. Jahrhunderts gegründet und bildet mit seinen Gebäuden vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrundert eine bis heute komplett erhaltene Klosteranlage, angefangen vom eigentlichen Kloster bis hin zu den Wirtschaftsgebäuden. Wenn ich das Gelände durch das Klostertor betrete habe ich immer den Eindruck, als ob ich eine etwas andere Welt betrete. Johannes Kepler ist hier zur Schule gegangen, wie auch Wilhelm Hauff, Georg Herwegh, Hermann Hesse und Friedrich Hölderlin. Die Schule besteht auch heute noch.

Hier entstanden der Anekdote nach auch die Maulbronner Nudeltaschen, kurz Maultaschen, die typisch schwäbischen Teigtaschen, die an Ravioli erinnern, als Fastenspeise. Der Mönch Bruder Jakob wollte ein Stück Fleisch in der Fastenzeit nicht verkommen lassen, hackte es deshalb klein, mischte es unter Gemüse und versteckte die Masse zwischen Nudelteigblättern. So konnten der Herrgott und seine Mitbrüder, seiner Meinung nach, das Fleisch nicht erkennen. 😀 Im Ländle heißen deshalb Maultaschen auch gerne Herrgottsbescheißerle.

Für mehr Geschichte und Hintergründe habe ich am Ende dieses Blogposts ein paar Seiten mit Informationen verlinkt. Jetzt geht es erst einmal weiter, rundherum und dann direkt hinein in den Hof.

Blick vom Osten, nahe der Ostzufahrt

Am Kräutergarten

Blick auf den Turm und den Wehrgang, der zum Weg zum Tiefen See führt

 

Blick auf den Hexenturm

Der Klosterhof vom Wanderweg zum Tiefen See aus

 

Der Tiefe See, früher ein von Mönchen angelegter Fischteich heute ein Freibad

 

Das Kloster

Eintrittskarten für das Kloster erhält man an der Information, ein Stück vor dem Kloster. Die liegt auf der rechten Seite kurz vor dem größten Gebäude, dem Fruchtkasten.

In der Kirche, im Kreuzgang und im großen Speisesaal beeindrucken vor allem die Deckenmalereien mit den unterschiedlichen Schlusssteinen.

20160818_Maulbronn-Decken

Wahrscheinlich ehemaliger Lesesaal

Decke im Kirchenschiff

Während ich mich dieses Mal, beim ersten Ausflug, in der Kirche aufhielt begann ein Organist an der Orgel zu üben. Die Stimmung war unbeschreiblich!

Auch Hochzeiten habe ich bei Besuchen am Rande miterlebt. Das Kloster bietet für solch einen Anlass eine unvergessliche Kulisse.

Interessant am inneren Aufbau der Kirche ist die Trennung vom Altarraum für die einfachen Gläubigen im hinteren Bereich und im vorderen Bereich, vor der Apsis, geschnitztes Gestühl für die Mönche.

Chorgestühl mit Barriere zum allgemeinen Altarraum

Chorgestühl mit Barriere zum allgemeinen Altarraum

Decke der Apsis

Decke der Apsis

Das Brunnenhaus im Kreuzgarten

Das Brunnenhaus im Kreuzgarten

Rechts vom Brunnenhaus steht die über 100 Jahre alte Magnolie, etliche Zweige müssen abstützt werden, die vor allem zur Blüte im April Besucher anzieht …

und …

ich nehme mir vor: Das nächste Mal bin ich hier zur Magnolienblüte!

Ich stand schon am nächsten Tag wieder an dieser Stelle, nur dieses Mal zusammen mit meiner Mutter. Beim abendlichen Telefonat hatte ich ihr von meinem Stopp in Maulbronn erzählt und sie entgegnete: „Ich war dort noch nie! Aber meine Schwester war oft dort.“. Es klang irgendwie traurig und deshalb packte ich sie am nächsten Tag ins Auto und fuhr eben noch einmal hin.

Meine Mutter erinnerte sich in dieser Umgebung an Zeilen eines Wallfahrtliedes, das sie als Jugendliche zu Wallfahrten zur Stiftskirche St. Marien in Neuzelle, ein in der Niederlausitz gelegenes ehemaliges Kloster der Zisterzienser, in den frühen 50er Jahren gesungen hat:

Dein Haus ist wie ein Lobgesang in dem die stummen Steine beten.

All‘ unser Bitten wird zum Dank und schweigt von seinen dunklen Nöten.

In diesem Zusammenhang erzählte sie mir auch von einem Projekt der katholischen Jugendgruppen der Umgebung in dieser Zeit, initiiert durch einen Jugendpfarrer aus Görlitz. Sie wollten zum Wiederbeleben der Kirche nach dem 2. Weltkrieg einen Beitrag leisten und bestickten einen Mantel für die Muttergottes der Kirche. Jede Gruppe gestaltete und bestickte einen Kreis auf diesem Mantel, um ihn dann an die nächste Gruppe für die Gestaltung deren Beitrags weiterzugeben. Alle zusammen brachten sie nach der Fertigstellung die Gemeinschaftsarbeit auf einer Wallfahrt nach Neuzelle.

Es ist ein Stück Geschichte meiner knapp 80jährigen Mutter, die ich noch nicht kannte. Es ist ein Stück Geschichte Deutschlands, die von Krieg erzählt, von Flucht und Vertreibung, aber auch von Hoffnung und Glauben auf eine Zukunft in Frieden.

Ich habe diesem Wallfahrtslied im Internet nachrecherchiert und fand dazu weitere Informationen zu diesem Lied und den Wallfahrtsort Neuzelle

… und …

ein Gedicht von Hermann Hesse zum Kreuzgang in Maulbronn, das man auf diesem Link am Ende des Textes anklicken kann.

 

Bestimmt biege ich wieder einmal von der A8 ab um in Maulbronn anzuhalten.

 

Weitere Informationen

Homepage der Stadt Maulbronn

Seite des Lands Baden-Württemberg Staatliche Schlösser und Gärten

Seite der Deutschen UNESCO-Kommission

Wikipedia zu Kloster Maulbronn

Video „Das Weltkulturerbe im Südwesten“ am Minute 57

 

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2 Kommentare zu “Kloster Maulbronn

  1. […] bei einer Besichtigung der Klosteranlage und des Herrenhauses. In der selben Zeit gebaut wie das Kloster Maulbronn ähneln sich die Anlagen. Allerdings steht im Brunnenhaus entlang des Kreuzgangs kein Brunnen. Der […]

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