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Der Schönbuch #2 – Bebenhausen

und …

Ehemaliges Kloster mit Geschichte, kleinster Stadtteil Tübingens und eine Perle im Schönbuch

Wer mit dem Auto auf der alten B27, heute L1208, von Stuttgart nach Tübingen fährt, dem fällt schon aus der Ferne der zierliche, gotische Turm, oder Dachreiter, der alten Klosteranlage von Bebenhausen ins Auge. Es lohnt sich anzuhalten und einen Spaziergang durch den Ort zu unternehmen oder eine kleine Wanderung auf den Spuren Eduard Mörikes hinauf zur „Mörikeruhe“. Entlang von Obstbaumwiesen, Feldern und dem Schönbuch ist auf dem Rundwanderweg „Klosterblick“ der Ort schon in ca. einer halben Stunde umrundet.

Bebenhausens Geschichte vom Zisterzienserkloster zum Jagdhaus der Württembergischen Könige, bis hin zum ersten Landtag Württembergs, erschließt sich bei einer Besichtigung der Klosteranlage und des Herrenhauses. In der selben Zeit gebaut wie das Kloster Maulbronn ähneln sich die Anlagen. Allerdings steht im Brunnenhaus entlang des Kreuzgangs kein Brunnen. Der ursprüngliche Brunnen ist leider nicht mehr erhalten. Der Brunnen, der im Kreuzgarten in Bebenhausen steht, wurde erst im 19. Jahrhundert aufgestellt.

 

Das Sommerrefektorium mit Deckenmalereien wird momentan restauriert (Stand August 2016) und kann nur vom Rand aus besichtigt werden. Auf der Decke sind neben Ornamenten mit Ranken und Blütenmotiven Fabelwesen und Tiere aus dem Schönbuch zu sehen.

Ein Stockwerk höher liegt das Dormitorium mit den Schlafräumen. Wandmalereien und lateinische Inschriften zieren die Flächen zwischen dem Fachwerk und über jeder Tür soll das Antionius- oder Taukreuz, das „T“, Unheil abwehren. Die Zellen entstanden erst Anfang des 16. Jahrhunderts und waren spartanisch eingerichtet. Kissen gab es nur für die Kranken. Besonders schön ist der Fußboden aus Tonkacheln mit verschiedenen Mustern und Ornamenten, die in Gruppen wie eine Anzahl Teppiche verlegt worden sind.

 

Etwas früher, Anfang des 15. Jahrhunderts, wurde der markante Dachreiter auf dem Dach des Sommerrefektoriums errichtet, einem Turm, der eigentlich keiner ist. Die strengen Ordensregeln erlaubten nur kleine Türmchen als Glockenturm, die zudem aus Holz zu bauen waren. Diese Regel umging man mit einer auf dem Dach aufgesetzten Konstruktion, dem Dachreiter. Die offene, filigrane Bauweise minimiert das Gewicht und entlastet das Dach. Ein Turm hat dagegen ein eigenes Fundament. Alles eine Frage der Auslegung! 😀

Zum Bau des Dachreiters bestehen noch die Pläne und die Rechnung! Am 25. Mai 1407 wurde mit dem Bau begonnen und am 8. September 1409 das Projekt beendet. In zwei getrennten Tabellen können wir heute noch nachlesen wie sich die Kosten zusammensetzten. In der einen Spalte sind die reinen Bau- und Lohnkosten aufgelistet und in der anderen die Kosten für die Verpflegung. In der 27 Monate dauernden Bauzeit wurden zum Beispiel 76345 Liter Wein getrunken!! 47 Rinder, fast 30 Zentner Wildschwein und (nur) ein Schaf kamen auf die Teller und 34150 Eier! Alles nachzulesen im Kloster.

Auf dem Rundgang geht es noch in die Klosterkirche, für die Herzogin Charlotte, die ehemalige Königin von Württemberg in ihrer Zeit nach der Abdankung Altartücher bestickt hatte. Bis auf ein Tuch, das hier leider nicht zu sehen ist, sind die anderen verschollen.

Letzter Ort in der inneren Klosteranlage ist das Winterrefektorium. Hier wurde Nachkriegsgeschichte entwickelt und geschrieben, als vom Herbst 1945 bis zum Frühjahr 1946 der Zusammenschluss von Württemberg und die erste Landtagswahl vorbereitet wurden. Auch die ersten Landtagssitzungen fanden hier statt. Wenn es spät wurde übernachtete man im Dormitorium oder in den benachbarten Gaststätten.

Außerhalb des eigentlichen Klosters gehe ich gerne noch in den kleinen Klostergarten, freue mich an den Pflanzen und schmunzle über das Vogelhäuschen, in der kleinen Rundbogennische, im Dachreiterstil.

Meinen Bruder zieht es bei seinen Deutschlandaufenthalten an den Grünen Turm und dem kleinen Park davor.

dsc_0893Meine Eltern lieben es einfach rundherum zu spazieren.

Für ein kleines Extraentgelt kann noch die, für damalige Verhältnisse, hochmoderne Küche mit Vorrats-, Vorbereitungs- und Spülräumen des ehemaligen Königspaars besichtigt werden. Ich hätte so richtig Spaß daran alles in Funktion zu erleben und Lust an einem Kochevent nach alter Speisekarte mitzumachen.

Parkmöglichkeiten gibt es vor und nach Bebenhausen, doch es kann knapp werden an sonnigen Wochenenden. Ich parke gerne, aus der Richtung Stuttgart/Böblingen/Dettenhausen kommend, auf einem der Ausweichparkplätze und nehme den Fußweg entlang der Landstraße für ein kurzes Stück in Kauf. Durch eines der Gartentore geht es danach über eine Wiese an einem ehemaligen Fischteich vorbei. Eine schöne Einstimmung auf diesen hübschen kleinen Ort.

 

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Ein Kommentar zu “Der Schönbuch #2 – Bebenhausen

  1. […] Karfreitag, Good Friday und Tochterkind wünschte sich einen Besuch in Bebenhausen. Im Anschluss machten wir noch einen Abstecher zur Wurmlinger Kapelle. Mit ganz vielen anderen […]

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