hier und fort

Siziliens Nordosten #4 – noch einmal zum Ätna

und …

Hoch, hoch und noch höher auf den Berg von Süden aus

Ein Fazit gleich zu Anfang:

Wenn ich noch einmal nach Sizilien kommen sollte, und es mich wieder zum Ätna zieht, werde ich mich bevorzugt am Nordhang aufhalten. Der Zugang von Süden aus ist großzügig ausgebaut, bietet viele Angebote für vielfältige Interessen, sowie eine Seilbahn, die auch im November aktiv ist. Man kommt mit relativ wenig eigener körperlicher Anstrengung ziemlich weit nach oben, wo die Aussicht wirklich toll ist, doch mir war das alles viel zu zu viel und touristisch aufgemotzt. ‚Etna Nord‘ bot mir weitaus mehr Individualität.

An meinem letzten Tag zog es mich wieder an den Ätna und ich wollte mir von Piano Provenzana aus eine Bustour gönnen oder eventuell meine Ängst überwinden für eine Tour auf einem Esel. Allerdings hatte es die Nacht stark geregnet gehabt (November ist der Regenmonat auf Sizilien) und an der Bergstation lief nun gar nichts mehr – chiuso, no tour. Es wurden die letzten Hütten dicht gemacht und man schickte mich zur südlichen Station – „more better, more tour, very good“.

Mit dem Auto ging es weiter auf der Mareneve (der Straße, die vom Meer zum Ätna führt und die Stationen Etna Nord und Etna Sud verbindet) über Milo nach Zafferano. Die Strecke, die von hier aus den Berg hinauf führt, wird in den Reiseführern als extrem steil beschrieben. Ich fand diese Angabe übertrieben. Die Straße führt steil bergan aber sie ist gut ausgebaut. Die Station Refugio Sapienza auf ca.1995 m bietet jede Menge Parkplätze, die kostenpflichtig sind, 6€ (Stand November 2016), ebenso die Toiletten. Um an das Parkticket zu kommen musste ich mich erst durchfragen, etliche (gefühlte Kilo-) Meter laufen, um endlich an das entsprechende Haus mit dem richtigen Schalter zu kommen.

Da mich die Umgebung überhaupt nicht motivierte mich selbst zu Fuß bergan zu bewegen, was ja auch nicht empfohlen wird, entschied ich mich für eine Fahrt mit der Seilbahn um auf ca. 2500 m zu kommen. Der Spaß kostete mich 30€ und ich war froh alleine in der Gondel zu sitzen. Ich habe extreme Höhenangst, die schon auf einer Haushaltsleiter beginnt!

Oben an der Bergstation „La Montagnola“ angekommen wurde ich belohnt, denn das trübe Wetter hatte ich hinter mir gelassen und konnte nun Sonne genießen! Bei einem Plastikbecher Kaffee ließ die dichte Wolkenschicht keine Aussicht ins Tal zu, weshalb ich beschloss noch einmal 33€ draufzulegen um mich mit dem Geländebus noch weiter nach oben fahren zu lassen. Die Fahrt auf rund 2900 m dauerte knapp 20 Minuten und von dort aus ging es mit einem Bergführer noch etliche Höhenmeter weiter hoch. Obwohl schon in der, von hier aus gesehenen, Talstation festes Schuhwerk und warme Kleidung für diese Tour wärmstens empfohlen wurden, saßen in meinem Bus doch tatsächlich zwei Briten in Shorts und Flipflops! 400 m unterhalb des Gipfels hatten wir -4°C und einen beißend kalten, heftigen Wind, dass mir in Daunenjacke, Mütze, Schal etc. die Backen vor Kälte prickelten und die Lungen schmerzten. Lang hielten es bei diesen Bedingungen die beiden Flipflopträger nicht aus und warteten lieber im Warmen der Schutzhütte auf den Retourbus. Auch mir reichte es mich nur in dieser Höhe zu bewegen. Für einen weiteren Aufstieg fehlte mir die Kraft. Lieber genoss ich in aller Muße die Aussicht, hörte auf den Wind, ließ mich von der Stimmung und dem Licht um mich herum einfangen.

Irgendjemand wunderte sich über eine kleine Wolke auf der Sandfläche ganz am Rand neben eines kleinen Kraters. Beim Näherkommen wurde uns schnell klar, das ist keine Staubwolke durch vom Wind aufgewirbelten Sand – das ist heißer Dampf! Und kurz darauf spürten wir auch keine kalten Füße mehr! Woohoo, aber schnell einen Schritt zurück, und auf Knien vorsichtig mit Hand voraus sich an die Wärmequelle herangetastet. Das war cool und ich hatte wieder Sehnsucht nach Island.

Aber es wurde Zeit für die Rückfahrt und wir fuhren in den 20 Minuten in eine deutlich andere Wettersituation zurück.

Rund um die Bergstation waberten sich die Wolken langsam zu einer dicken Suppe zusammen. Auf eine weitere Tasse Kaffee im diesigen, feucht kaltem Wolkenbett hatte ich keine Lust. Mir ist nun auch klar warum am Ätna vor unbegleiteten Bergtouren gewarnt wird. Das Wetter ist wirklich unberechenbar und die Orientierungsmöglichkeiten sind bei Sichteinschränkung nur für Ortskundige erkennbar. Mich hat es gegruselt, selbst in der Gondel, auf dem Weg hinunter zum Refugio. Auch hier herrschte dichter Nebel und ich hoffte nach einem gemütlichen Essen auf einen erneuten Wetterwechsel. Eine Stunde später war es klar, kein Glück mit dem Wetterwechsel und ich hatte das, immerhin nur, zweitschlechteste Essen, hinter mir. Yuck! Bäh! Diese vegetarische Lasagne bleibt ganz dicht hinter dem weltweit miesesten Burger, der diesen Namen nicht verdient, aus einer Imbissbude in einem Prager Vorort, und verdrängte ein überbackenes Sandwich mit Käse aus einer Bäckerei im Allgäu auf den dritten Platz.

 

 

 

Bauchschmerzen vom Essen, Kopfschmerzen vom Nebel und der Wunsch nach Licht brachten mich zurück zum Auto. Zafferano hatte mir auf der Hinfahrt gefallen, dass sich ein Besuch sicher lohnt. Doch ich dachte mir, nachdem ich den Ätna schon halb umrundet hatte, die Runde um den Berg ganz abzuschließen. Die Reiseführer hatten alle eine solche Tour nicht beschrieben. In einem stand zwar kurz erwähnt, wie wenig interessant die Westseite wäre, doch davon ließ ich mich nicht beirren und fuhr die Runde über Ragalna, Biancavilla, Bronte, Randazzo, zurück nach Linguaglossa zuende.

 

Noch ein Fazit:

Eine Umrundung lohnt sich mit dem Auto, auf jeden Fall die Mareneve von Etna Nord zu Etna Sud. Schön ist auch die Nebenstrecke parallel zur 120, die westlich von Randazzo beginnt und nach Linguaglossa führt. Und es lohnt sich ein Blick zurück, in Richtung West-Sizilien!

 

 

 

 

 

 

 

 

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