hier und fort

Ost-Island #1

oder …

Austurland – ich komme!

Lange habe ich überlegt ob ich überhaupt über diesen Teil meiner Reise/n berichten soll, nachdem ich die Veränderungen durch den Tourismus an anderen Stellen der Insel, teilweise mit Bedauern, beobachten musste. Seit vier Jahren bin ich zu wechselnden Jahreszeiten vier Mal in diesem herrlichen Land unterwegs gewesen. Das ist eigentlich kein so großer Zeitraum, umso erschreckender sind eben manche Beobachtungen. Aber einiges hat sich auch zum Guten getan. Nichtsdestotrotz ist eben gerade der Osten, abseits der Ringstraße doch noch deutlich weniger besucht. Das wird wahrscheinlich/hoffentlich so bleiben, denn wenn ich ganz sicher wiederkomme möchte ich mich an diesen Plätzen genau so wohlfühlen wie schon 2015 und dieses Jahr.

 

Der Osten beginnt für mich gleich hinter dem Jökulsárlón, einem Gletschersee, der mich immer wieder beeindruckt.

 

Über die Brücke Richtung Osten fahrend ebbt das Verkehrsaufkommen extrem ab. Das erlebte ich auch dieses Jahr wieder, selbst zu Beginn der Hauptreisezeit im Juni. Über dreißig Kilometer fuhr ich fast ohne Gegenverkehr so vor mich hin, kein Auto vor mir, keins hinter mir, das darauf aus war mich Schleicher zu überholen. Dafür hielt mich vor einer Brücke die Polizei an, damit eine Herde von Pferden mit Reitern (viele Pferde, wenig Reiter) Vorfahrt über die Brücke bekamen. Auch ein Erlebnis! Überhaupt reiht sich in dieser Gegend eine Brücke an die andere, unterschiedlich lang und breit.

Höfn und Djúpivogur sind auf dem Weg gen Osten einen Stopp wert, allein schon zum Übernachten nach ausgiebigen Besichtigungen der Gletscher. An klaren Tagen sind die Gletscher von Höfn aus herrlich zu sehen und selbst im trüben, verregnetem Abendlicht schön!

Djúpivogur lädt mit seinen überdimensionalen Eier-Skulpturen am Hafen zu einem Spaziergang ein, der bei einer Tasse Kaffee und einem Kleinur in einem der ältesten Häuser des Orts, der Langabúð, abgeschlossen werden kann (für mich inzwischen ein Muss). Dieses Jahr hielt ich zudem an der kleinen Gallerie am Hafen, Free Vili. Ich fand sie sehr amüsant in ihrer Vielfalt an Sammelgut, antik oder am Strand angespült, und Kunsthandwerk. Nebenan steht noch immer die Skulptur aus Alltagsgegenständen. Munter vor sich hin rostend sind etliche Löcher in den letzten zwei Jahren dazu gekommen. Der die Krone oder Hut bildende Stuhl, steht inzwischen wieder unten.

 

Im Café angesprochen, wie denn mein Reiseweg in Island aussähe, erzählte ich von den Westmännerinseln. „Oh“, war die Antwort, mit einer erneuten Frage, ob ich denn den Zusammenhang zwischen Heimaey und Djúpivogur kennen würde? – Beide Orte wurden im 18. Jahrhundert von algerischen Piraten überfallen.

Im Café kann noch ein kleines, feines Museum besichtigt werden.

Kurz vor dem Verlassen von Djúpivogur ist es sinnvoll in der kleinen Tankstelle noch einmal vollzutanken und etwas einzukaufen. Es ist bis Egilsstaðir für eine Weile die letzte Möglichkeit. Wichtig vor allem für diejenigen, die nun die Küstenstrecke entlang der Fjorde wählen und unterwegs campen wollen. Die Qual der Wahl der Strecke hat sich für mich dieses Jahr erledigt. Ich bevorzuge die Strecke über den Pass Öxi. Wer die Steigung zum ersten Mal sieht und dazu die Schotterstrecke, wählt, ganz klar, die weiterführende Ringstraße. Der hübsche Asphalt wechselt jedoch auch hier nach wenigen Kilometern in Schotter, dazu tingelt man kurvenreich immer hübsch um die Fjorde herum. Irgendwann bleibt einem nichts anderes übrig, wenn man nach Egilsstadir möchte, doch den Weg über die Berge zu nehmen und der geht fast genauso steil und in Serpentinen hinauf, auf Schotter. Die vielen Kilometer Umweg lohnen sich meines Erachtens nicht. Abgesehen davon bietet der Öxi einen netten Zwischenstopp mit Wasserfall.

Egilsstaðir ist für mich auch nur ein Durchgangsort, wie für viele andere Touristen auch. Schade eigentlich. Rund um den Ort wird seit vielen Jahren versucht Wälder aufzuforsten und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Doch, versprochen, nächstes Mal schaue ich mir die Ausstellungen und das Museum an! Man gibt sich Mühe, zum Beispiel mit einem sehr schönen Touristmus-/Informationsbüro mit kompetenten Mitarbeitern. Was ich das nächste Mal auch hier machen werde? Einkaufen! Wolle und mehr!

Einkaufen und Volltanken ist hier, wenn es weiter in den Osten gehen soll, wirklich nötig. Für Dinge, die vergessen wurden müssen oft weite Strecken gefahren werden, wie ich hier berichtete.

Immer mit diesem Blick aus meiner Erinnerung vom August 2015 vor Auge – Dyrfjöll, die Türberge, ging es von Egilsstaðir aus ganz in den Osten. Dieses Gebirge, oder diese Bergkette, bildet mit den ältesten Teil Islands. Auf der anderen Seite, dort wo die dicke Wolke bis in die Tiefe hängt, liegt Borgarfjörður eystri, eine der, bis in die 1950er Jahre des letzten Jahrtausends, abgelegenste Gegend Islands.

 

1954 wurde der Pass Vatnskarð mit einer Straßenverbindung in die Fjordgegend eröffnet. Bis dahin wurden mithilfe von Eseln Waren über einen schmalen Küstenweg zu den Bewohnern geliefert.

Unsereins fährt heutzutage auf einer gut ausgebauten Straße bis zum Pass, bevor es interessant zum Fahren wird und man mit einem herrlichem Blick über den Héraðsflói belohnt wird – bei jedem Wetter beeindruckend.

 

Neu in diesem Jahr sind auf der Passhöhe ein kleines Informationszentrum mit Toilette, die, zwar ohne Wasseranschluss, äußerst großzügig mit hygienischen Mittelchen ausgestattet ist und einen Besuch wert ist (wie die andere Hütte mit den Infotafeln natürlich auch). Die Gemeinde hofft, dass dieser Aufwand Wertschätzung findet, die Wanderer sicherer unterwegs sein werden und die Natur weniger verunreinigt wird.

 

In die Fjordregion Borgarfjörður geht es von hier aus natürlich wieder bergab und bis zum Ort Bakkagerði und von dort aus zum Hafen noch ein ganzes Stückchen an der Küste weiter.

 

Angekommen!

Was mich in diese Gegend am Rande von Nirgendwo zieht, zeige ich im 2. Teil zu Ost-Island.

 

 

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