hier und fort

Island im Alleingang #2 – Snæfellsnes

und …

Mit Sicherheit unterwegs

Snæfellsnes, ist eine Halbinsel im Westen Islands und hat alles um Island en miniature zu erleben. Es gibt hier von allem was, das Island an Natur zu bieten hat. Angefangen von landwirtschaftlich genutzten Flächen, mit einer Reihe an Höfen mit Islandpferden, bis hin zum Nationalpark rund um den Gletschervulkan Snæfellsjökull hat man die Wahl entweder etwas entlang der Küste zu unternehmen, wie landeinwärts zu wandern oder an Exkursionen im Nationalpark teilzunehmen.

Von Reykjavik aus bis Arnarstapi, fast am äußersten Ende der Halbinsel, sind es rund 190 km. Das lässt sich leicht am Stück durchfahren, wenn da nicht einige wirklich schöne, interessante Plätze unterwegs zu erkunden wären, wie zum Beispiel:

  • für erkundigungsfreudige Wanderfreunde eine Tour zum Glymur Wasserfall – der Parkplatz als Startpunkt der Wanderung liegt auf der Route 47 an der Spitze des Hvalfjörður, wenn man nicht den Tunnel auf der Ringstraße 1 nimmt, sondern den Fjord entlang fährt.
  • ein kurzer Stopp in Deildartunguhver, an der wasserreichsten Heißwasserquelle Islands.

  • ein Abstecher an die Wasserfälle des Flusses Hvítá, den Barnafoss und die Hraunfossar. Atemberaubend diese vielen Wasserfälle am Stück, die teilweise aus den Felsen heraus sprudeln. Ganz in der Nähe liegt das Saga-Zentrum in Reykholt von dem ich allerdings ein wenig enttäuscht war.
  • Borgarnes. Hier lohnt sich ein Besuch im „Settlement-Centre“ – ein Museum plus Restaurant. Das Museum bietet zwei Bereiche zum Erkunden. Die Ausstellung zur Egils-Saga erklärt die Geschichte des Egil in moderner künstlerische Gestaltung. Der andere Teil gibt beim Rundgang entlang der Exponate Informationen zur Besiedelung Islands mithilfe eines Audioguides (auch in deutsch), interessant, informativ, spannend und kurzweilig aufgebaut. Man merkt ein gutes Drehbuch dahinter und so hat man 30 Minuten Unterhaltung – während man vielleicht, wie ich, auf einen Tisch im Restaurant wartet.

Kurz nach Borgarnes geht es dann auf der 54 ab von der Ringstraße 1 in Richtung Stykkisholmur, Olavsvik und Rif. Auch wenn es erst etwa 40 km weiter „Willkommen in Snæfellsnes“ heißt, man merkt wie viel weniger Autos unterwegs sind, alles mindestens eine Stufe langsamer läuft, Orte kleiner werden, Tankstellen und Geschäfte seltener, … . Wer jetzt von der Straße abbiegt kann nicht mehr sicher sein eine geteerte Straße vorzufinden. Spätestens jetzt muss man sich Gedanken zur Sicherheit machen, vor allem wenn man alleine unterwegs ist, wie ich.

Deshalb beachte ich in Island diese vier Regeln:

  • Wetter checken
  • Straßenzustand abfragen
  • Reiseroute hinterlegen
  • Frühzeitig tanken

Wetter checken, täglich mindestens einmal unter  http://en.vedur.is/ . Nicht ohne Grund gibt die isländische Wetterseite nicht nur Prognosen zu möglichem Sonnenschein und Temperatur. Windstärken und Regenmengen sind ein noch wichtigerer Faktor wenn man auf Island unterwegs ist. Trotz aller angesagten Tendenzen wechselt das Wetter unter Umständen wirklich so schnell wie Mark Twain es für Neuengland beschrieb: „If you don’t like the weather wait a few minutes.“

kurz hinter Rif auf dem Weg nach Olavsvik

kurz hinter Rif auf dem Weg nach Olavsvik (August 2013)

kurz hinter Rif (August 2013)

Den Polfilter für die Kamera zuhause vergessen und mich megamäßig darüber geärgert.

Zwanzig Minuten zeigt später, kurz vor Olavsvik, zeigt ein Blick zurück schon wieder einen Wetterwechsel.

ein Blick zurück in Richtung Rif (August 2013)

Straßenzustand abfragen, wenn es abseits der Hauptstraßen auf Nebenstrecken weiter gehen soll und ins Hochland, zum Beispiel unter http://www.road.is/travel-info/road-conditions-and-weather/ und http://www.safetravel.is/ . Manche Straßen sind in manchen Jahren bis in den Sommer unpassierbar.

Schilder sollte man auch lesen! (August 2015)

Straßenende (August 2015)

Kurz vor dem Sturm! – Blick vom Ende der unpassierbaren 570, kurz vor dem Pass am Snæfellsjökull auf die Südküste von Snæfellsnes (August 2015)

Die Reiseroute oder die Planung einer Wandertour jemanden mitteilen, der reagieren kann, wenn man nicht ankommt oder sich meldet. Das ist wichtig! Auch wenn Island eines der sichersten Länder ist und man fast überall mit seinem Handy Empfang hat, es macht Sinn. Ich bin 2013 mitten im Nowhere von Snæfellsnes gestürzt, im wahrscheinlich einzigsten Funkloch dort. Mit einem Fuß in einem Loch steckend, von Nieselregen berieselt, war mein erster Gedanke: Hauptsache weich gefallen! Das Moos auf dem Lavagestein hatte mich vor Schlimmeren bewahrt. Meinen zweiten Gedanken: Bis man mich hier findet würde es eine Weile brauchen! verdrängte ich erst einmal, da ich nach einer halben Stunde „Ruhezeit“ an Ort und Sturzstelle Besuch bekam. Zwei neugierige Polarfuchsjunge leisteten mir Gesellschaft!!! So überwältigend dieses Erlebnis war, so beruhigend empfand ich die Möglichkeit sich auf safetravel.is mit einem Reiseplan registrieren zu lassen, um im Fall der Fälle gefunden zu werden. Eine Option, die vor allem meine Eltern beruhigt (ich bin als Mutter selbst auch nicht entspannter ;-), leider, sorry).

junger Polarfuchs (August 2013)

Tanken, wenn es eine Tankstelle gibt! Wenn die Anzeige der Tankuhr auf Halbzeit steht und eine Tankstelle in Sicht ist – anhalten, tanken. Wer weiter zu den Westfjorden will, kann hier schon mal üben. Nicht immer existieren Tankstellen, die auf der Straßenkarte eingezeichnet sind. Deshalb immer vorausschauend den Tank gefüllt halten. Und überhaupt, apropos tanken in Island:

Ohne EC-Karte, oder besser Kreditkarte plus PIN geht (meist) nichts!

Generell scheint die Kreditkarte in Island das beliebteste Zahlungsmittel zu sein. Nur bei einer einzigen Unterkunft auf meinen Touren 2013 und 2015 bestand der Hausherrn auf Barzahlung.

Wo lohnt es sich in Snæfellsnes anzuhalten?

Gute Frage! Ich entschied mich 2013 wie 2015 erst unterwegs, wo ich zwischen meinen Quartieren einen Stopp machte. Einen groben Plan hatte ich zwar, doch ich schaffte es tatsächlich auf der gesamten Reise 2015 an zwei der zehn Wunschziele vorbeizufahren! Bloß schnell an was anderes denken, sonst ärgere ich mich weiter. Mir liegt es eher in eine Gegend zu fahren um dort anzuhalten, wo es mir gefällt und ich auch einen Parkplatz bekomme. Das ist inzwischen an manchen Stellen in Island während der Sommermonate nicht so einfach, selbst in Snæfellsnes. Der Parkplatz in Arnarstapi an der Statue von Bárður Snæfellsás war bei der letzten Tour so knallevoll, dass ich mir ein ruhigeres Plätzchen zum Anhalten suchte. Wer zum ersten Mal dort vorbei kommt sollte auf jeden Fall anhalten und an der Küste entlang zu laufen. Die Felsformationen bieten interessante Motive zum Fotografieren.

Bárður Snæfellsás – kurz bevor der Regen kam (August 2013)

Arnastapi Küstenweg (August 2013)

Rauðfeldargia ist auch ein beliebter Platz zum Anhalten. Vom Parkplatz aus geht es zu Fuß ein Stück bergauf zu einem Canyon. Wie überall in Island hat auch dieser Ort einen Platz in einer Geschichte bzw. Saga. Bárður Snæfellsás soll hier Rauðfeldur, den Sohn seines Bruders Þorkell, zusammen mit seinem Bruder hinunter gestoßen haben, nachdem dieser die Tochter Bárðurs, Helga, auf einen Eisberg geschubst hatte. Auch für Sölvi, den Bruder Rauðfeldurs, gibt es eine Klippe, von der er der Sage nach gestoßen wurde. Bárður soll nach diesem Vorfall auf dem Gletscher verschwunden sein und niemand soll ihn mehr gesehen haben. Seine Tochter Helga überlebte. Auf ihrem Eisberg landete sie unbeschadet auf Grönland.

Die Schlucht ist sehr eng, je weiter man hinein geht. Und es macht Sinn, wenn man fotografieren möchte, einen geladenen Akku in der Kamera zu haben. Konstanze wollte nicht mehr ohne Frühstück Energie.

DSC_0027

Blick von Rauðfeldargia (August 2015)

So unbeständig und unerfreulich nass das Wetter auch war, wie 2013 fuhr ich 2015 die Küstenstrecke komplett rundherum, wie ich auf meinem „alten“ Blog berichtet hatte (http://fadenspielundfingerwerk.de/2015/08/18/island-einmal-rundherum-1:

Ytri Tunga – zum Seehunde beobachten.

Búðir – mit einer der ältesten Holzkirchen Islands, auch auf einem Video der isländischen Band Kaleo mit „I Can’t Go On Without You“ zu sehen.

Rif – zum Fischsuppe essen im „Gamla Rif“, einem Café mit einer der leckersten Fischsuppen, die es gibt, im schnuckeligen, rustikalen Interieur. Die selbstgebackenen Kuchen sollen auch superlecker sein. So sehen sie auch aus und die zurück gehenden Teller sind gerade noch bekrümelt.

Londrangar – Felsen zum Anschauen, Hinlaufen, Drumherumlaufen oder langsam Vorbeifahren 😉 – Hinzulaufen war schön, trotz Regen.

Bjarnarhöfn – Haifischmuseum, besonders interessant wenn der Hausherr nach seinen interessanten Geschichten seinen marinierten Haifisch auffährt. Ich bin Vegetarierin, esse im Urlaub ab und an Fisch, … Haifisch auf Island ist von Fischstäbchen soweit entfernt wie der Nord- vom Südpol. Irgendwo dazwischen liegt Surstömming (saurer Hering aus Schweden). Mehr sage ich nicht. Es darf jeder seine Erfahrung machen. 😉

Stykkisholmur – Hafenörtchen mit Charme und Geschichte, jetzt auch mit Fish&Chips-Bude in den Sommermonaten und so was von leckeren Pommes in stylischen Zeitungspapiertüten mit sauberer Pergamentinnenhülle!!

oder …

einfach an einem der vielen Haltepunkte mit Hinweis auf einen Wanderweg das Auto abstellen, feste Schuhe anziehen, loslaufen und sich überraschen lassen.

Snaefellsnes August 2013

Snaefellsnes August 2013

 

 

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