hier und fort

Siziliens Nordosten #2 – Taormina, Castelmola

und …

Die Schlucht von Alcantara

Der Plan mich möglichst früh auf den Weg zu machen klappte, anfangs. Schon gegen 8.00 Uhr morgens startete ich das Auto und fuhr zuerst nach Castiglione di Sicilia. Ich dachte frühmorgens müsste an einem Feiertag problemlos durch die Altstadt zu kommen sein, vielleicht mit der Chance auf einen Parkplatz, um ein paar Schritte durch den Ort zu laufen. Kurz vor Castiglione leuchtete jedoch plötzlich eine Warnlampe auf den Armaturenanzeigen meines Mietautos auf, was mich beunruhigte. Kaum in Castiglione folgte die nächste Überraschung, ich konnte nicht dem Straßenschild nach Taormina folgen. Die Straße war gesperrt und ein Polizist schickte mich in eine Einbahnstraße, keine mit blauem Schild und weißem Pfeil. Ich fragte ihn noch, ob ich da wirklich hineinfahren darf und ich mir nicht sicher sei, von wegen rotem Schild mit weißem Querbalken. Darauf der Polizist mit heftig fuchtelndem Finger: „I’m police! Go!“ und ich fuhr in diese Straße. Oje. Bergauf. Altstadt. Oje, oje. Die Straßen wurden immer enger. Das Warnlicht leuchtete und ich fand mich plötzlich auf einem winzigen (Park)Platz von dem sechs Straßen abzweigten, allerdings zeigten nur zwei ein Durchfahrtschild. Ich stellte mein Auto einfach zu den anderen und dachte mir: „Ruhe bewahren. Durchatmen. Gehe einen Kaffee trinken!“

Castiglione ist ein wunderhübscher kleiner Ort mit vielen winkligen Gassen, ein paar Kirchen, einem Museum (das geschlossen war, Feiertag) und vielen kleinen Geschäften.

Irgendwie konnte ich mich durch das Warnlicht im Auto nicht so richtig entspannen und war schlecht auf Sightseeing und Urlaub eingestellt, ganz besonders, als es nach einer halben Stunde Ruhe immer noch leuchtete.

Ich beschloss zurück zum Haus zu fahren, da ich aus der Bedienungsanleitung (auf italienisch) des Autos nicht richtig schlau wurde. Dort wollte ich mir Informationen aus dem Internet holen und nur Not die Mietwagenfirma anrufen. Unterwegs musste ich tanken und hoffte vielleicht vom Tankwart Unterstützung zu bekommen. Doch der meinte nur etwas von „meccanico“ und kassierte das Tankgeld. Tanken in Italien treibt einem die Tränen in die Augen! Rund um den Ätna kostete der Liter Super zwischen 1,59 € bis 1,69 € in diesen Tagen! Zurück im Haus fand ich schnell im Netz Antworten auf die ominöse Warnanzeige, die auf Motorprobleme hinweist und einen sofortigen Werkstattbesuch erfordert. Meinereine liest ja auch die Meinungen der Leser dieser Portale. 50% meinten: Lass‘ leuchten. Sch…elektonik im Fiat 500. Die anderen 50% fanden diese Einstellung grob fahrlässig. Was machte ich daraus? Ich rief die Verleihfirma an und die Dame am Telefon gab mir am Ende den Tipp den Reifendruck zu kontrollieren. (????) Ansonsten könnte ich nach Catania kommen um das Auto zu tauschen.

Ich machte mich auf den Weg nach Catania und auf halber Strecke ging die Leuchte aus! Einfach so. Und nun? Ich verließ die  Autobahn, drehte um und fuhr in die andere Richtung, meinem ursprünglichen Plan folgend, nach Taormina. Dazu benutzte ich die Küstenstraße von Fiumefreddo di Sicilia über Giardini-Naxos, einem Badeort kurz vor Taormina. Anfang November lässt es sich, trotz einigem Verkehr, ganz entspannt hier entlang fahren. Und Entspannung tat mir jetzt richtig gut! Doch ich möchte nicht wissen, was sich hier in den Sommermonaten abspielt!

Schon in Giardini-Naxos kann man in der Ferne, hoch oben auf einem Berg eine Felsenstadt erkennen, Castelmola. Bei einer Pause am Strand las ich mich kurz in meinem Reiseführer ein und wusste, da muss ich heute auch noch hin. Doch zuerst ging es in Serpentinen, entlang von großzügigen Anwesen entlang der Straße, immer weiter hinein und hinauf nach Taormina. Dort stellte ich das Auto im ersten, zentralen, Parkhaus ab, das ich erreichte. Gute Wahl. Von dort aus waren es nur noch etwas über hundert Stufen bis ich im gefühltem Zentrum der Altstadt angekommen war. Auch hier war mein erster Gedanke, zum Glück in dieser Jahreszeit hier zu sein! (Debbie, meine Vermieterin meinte Tage später, dass man im Sommer vor Menschen von den Häusern rechts und links nichts mehr mitbekommt.)

Inzwischen Mittagszeit entschied ich mich nur das alte griechische Theater zu besuchen und die Kirche Santa Caterina, zum einen wegen seiner Geschichte und genialen Lage, zweitens um eine Kerze „anzuzünden“, da Katherina von Alexandria meine Namenspatronin ist und eine Statue von ihr hier steht (heilig gesprochen hin oder her, ob sie wirklich gelebt hat ist strittig, egal, die Kirche hat ein gutes Karma).

Auf den oberen Rängen des Theaters sitzend überlegte ich mir noch mit Blick auf Castelmola, ob ich diese Tour wirklich unternehmen möchte. Im Sizilien-Reiseführer von Marco Polo steht zu diesem Ort auf Seite 45: „Das winzig kleine Bergnest … liegt 5 km entfernt, fast lotrecht über Taormina.“ Übersetzt heißt das winzigenge Straßen durch den Ort, mit Autos, LKWs, Bussen, inklusive Gegenverkehr, kurvenreich in engen Serpentinen, immer berghoch bzw. zurück bergab.

Aus dem Parkhaus kommend folgte ich dem ersten Schild, nach Castelmola. Oha. Gut, dass ich fast alleine unterwegs war. Als Beifahrer hätte ich diese Strecke nicht erleben wollen. – Musste mir an einer der engsten Stellen ein Bus entgegenkommen? – Oben angekommen war es dann schon super schön, der Ausblick, der Ort, die Atmosphäre – nur sehr wenige Touristen, November eben. Ganz oben, an den Mauern des alten Kastells lässt es sich auf Bänken, Stühlen oder auf der Mauer herrlich eine Pause genießen.

Die Rückfahrt zurück nach Taormina plante ich durchdacht und wartete an der Ausfahrt des Parkplatzes auf meine Chance. Die Idee, ich hänge mich direkt hinter einen LKW oder Bus. Dann läuft alles entspannt. 😉 Zehn Minuten musste ich warten und ich konnte meinem „Eisbrecher“ folgen. Lief super. Einfach immer hübsch dran bleiben: „Mein Bus!“ 😀

Den letzten Halt des Tages hatte mir mein Vermieter empfohlen, die Schlucht des Alcantara, Gole dell’Alcantara, nahe bei Francavilla di Sicilia. In die Schlucht kommt man, nach bezahltem Eintritt, per Aufzug oder über eine Treppe. Auch wenn am späten Nachmittag im Herbst die Lichtverhältnisse unten in der Schlucht nicht mehr optimal sind, so sind die Basaltformationen rechts und links des Flusses wunderbar zu sehen. Ein ganz klein wenig wurde ich an Island erinnert. Wer möchte kann einen Teil des Alcantara mit einem Guide durchwandern und in den Sommermonaten werden noch mehr sportliche Aktivitäten angeboten. Oberhalb der Schlucht lohnt sich eine Wanderung durch den botanisch-/geologischen Garten. Alles was man in/auf Sizilien an Pflanzen und deren Variationen finden kann, egal ob Nutz- oder Wildpflanze, versucht man hier zu kultivieren.

 

 

Tagestour: Linguaglossa – Castiglione – Linguaglossa – Ausfahrt Giarre – Fiuefreddo di Sicilia – Giardini-Naxos – Taormina – Castelmola – Gole dell’Alcantara – Francavilla di Sicilia – verirrt, und eine superschöne Strecke entdeckt – Linguaglossa = 109 km

Auch wenn die Strecke relativ kurz war würde ich dieses Programm auf mindestens zwei Tage verteilen, in etwa so:

  • Tag 1: Morgens bis in den Nachmittag in die Alcantara-Schlucht und es sich den Nachmittag/Abend in Castiglione gut gehen lassen.
  • Tag 2: Morgens Taormina, mittags/nachmittags in Castelmola und danach wieder nach Taormina.

So wie ich es durchgezogen habe war es einfach viel zu viel.

Tag 3 ging es endlich, passend zum letzten Bild, hoch zum Ätna, entlang der Nordseite zum Lavafeld vom Ausbruch 2002.

 

Noch ein paar Links:

 

 

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