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Pfahlbauten im Südwesten Deutschlands

und …

Unterwegs zwischen Federsee und Unter-Uhldingen am Bodensee und noch ein UNESCO-Welterbe

Einer meiner Lieblingsplätze in Südwestdeutschland ist der Federsee. Wenn mir nach einem ganzen Tag Auszeit ist, fahre ich zum Abschalten die knapp zwei Stunden von BB nach Bad Buchau, egal zu welcher Jahreszeit. Für diesen Sommer hatte ich mir ganz fest vorgenommen mir endlich einmal das Federseemuseum anzuschauen, und zwar von innen! In den Wintermonaten stand ich die letzten Jahre immer vor verschlossenen Türen, doch jetzt hatte ich die Sicherheit, dass es ganz sicher zu besuchen sein wird, denn seit dem 16.04.2016 läuft bis zum 09.10.2016 die Ausstellung 4000 Jahre Pfahlbauten. An zwei Ausstellungsorten, dem Federseemuseum in Bad Buchau und im Kloster Bad Schussenried, wird gezeigt, erklärt und beschrieben, wie unsere Vorfahren in dieser Region und darüber hinaus gelebt haben. Viele der ausgestellten Objekte stammen aus Ausgrabungen entlang des Bodensees, weshalb ich zum Abschluss noch einen Ausflug zum Pfahlbaumuseum in Unter-Uhldingen unternahm.

Tour 1 – Über die Schwäbische Alb nach Oberschwaben zu den Ausstellungsorten Bad Schussenried und Bad Buchau

Da ich diese Strecke im letzten Jahr häufig gefahren bin, versuchte ich sie etwas zu modifizieren. Am Ende kam ich immer wieder auf die Ausgangsstrecke und fragte mich, warum ich mich bei meinen allerersten Touren so häufig verfahren hatte! Jetzt verfahre ich mich auf diesem Weg seit Monaten nur noch an der Umleitung durch die Bauarbeiten an der B312 bei Pfullingen, was langsam richtig langweilig wird.  Dabei sind Irrfahrten oft richtig tolle Entdeckerfahrten! Allerdings nur, wenn man nicht unter Zeitdruck steht, um z. B. einen Termin einzuhalten, einen Flug zu erreichen oder wenn man auf abschüssige Straßen und im Niemandsland landet. Ok, letzteres hat manchmal erst in der Erinnerung wieder seinen Reiz, aber nicht die Erfahrungen mit Zeitstress im Nacken (nie wieder durch Barcelona ohne Karte oder Navi!).

Unterwegs ging es vorbei an Schloss Lichtenstein, herrlich beleuchtet durch die Morgensonne, über die Schwäbische Alb und mit vielen Kurven steil bergab nach Zwiefalten. Bei der Talfahrt sticht die Klosterkirche der Stadt sofort ins Auge. Gerade noch durch ein Waldgebiet gefahren, konzentriert auf die sehr kurvige Strecke, lohnt es ich langsam zu fahren, sich auf die Straße zu konzentrieren, um den Parkplatz nicht zu verpassen. Nur so landet das optimale Foto vom Kloster Zwiefalten in der Kamera. Ich verpasste den Parkplatz mal wieder, weil ich eben nur auf das Bild der irgendwie rosa angehauchten Gebäude der Klosteranlage UND der Straße fixiert war. Wusch vorbei, keine Wendemöglichkeit, wieder nix. Egal. Das nächste Mal. 😉

Ich erreichte Bad Schussenried und seine Klosteranlage, wo ein Teil der großen Landesausstellung zum Thema 4000 Jahre Pfahlbauten noch bis Anfang Oktober 2016 zu sehen ist. Es lohnt sich!

Ich war allein schon von der Informationsmenge, die im Kloster in Bad Schussenried bereit gestellt wurde, überwältigt bis erschlagen. Die drei Stunden, die ich dort verbracht hatte, waren mir eigentlich nicht genug. Ich hätte mir einfach mehr Zeit mitbringen sollen, denn was hier zusammengetragen worden ist, ist gewaltig und sehenswert.

Neben den anschaulich präsentierten Objekten gibt es ein Angebot mit sehr interessanten Videos. Mich hat die Herstellung von Birkenpech interessiert, oder Lindenbast, … wer mich kennt, weiß, dass ich am liebsten SOFORT alles ausprobieren wollte. Leider, leider, leider, kann ich davon keine Fotos bieten. In Bad Schussenried durfte nur außerhalb der Ausstellung in der Bibliothek fotografiert werden, wenn man sich eine Erlaubnis eingekauft hat. Allerdings ist das Kloster komplett, innen wie außen, ein Gebäude im barocken Stil und Barock ist nicht mein Ding. Gold, Glanz, dicke Engelchen, … opulent inszeniert, kann ich wertschätzen, als Leistung vergangener Generationen. Trotzdem ist mir diese Vielfalt einfach zu viel um mich sie in ihrer Gesamtheit schön zu finden. Deshalb konzentriere ich mich in barocken Gebäuden auf Details. In der Klosterkirche St. Magnus fiel mein Blick nach oben und ich war gleichzeitig ein wenig amüsiert wie irritiert. Bisher gehörten für mich Uhren an Kirchtürme zusammen mit Glockenschlägen, die zumindest die volle Uhrzeit angeben. Aber eine Uhr IN einer Kirche? Soll sie die Blicke der Gemeinde nach oben lenken, wenn der Pfarrer mit seiner Predigt seine Schäfchen nicht so fesselt? Auf jeden Fall war mir dieses Objekt ein Foto wert. Weil ich nicht wusste, ob ich dafür eine Fotografiererlaubnis benötigt hätte, spendete ich 2€ in die Box vor Ort.

 

Doch zurück zu der Pfahlbauausstellung. Ich war allein schon von der Informationsmenge, die im Kloster in Bad Schussenried bereit gestellt wurde, überwältigt bis erschlagen. Die drei Stunden, die ich dort verbracht hatte, waren mir eigentlich nicht genug. Ich hätte mir erheblich mehr Zeit mitbringen sollen, denn was hier zusammengetragen worden ist, ist gewaltig und sehenswert.

Weiter ging es zum Federsee. Die Eintrittskarte zur Pfahlbauausstellung galt auch für das Museum in Bad Buchau. Fotografieren war auch hier in den Gebäuden des Federseemuseums nicht erlaubt, nur im angeschlossenen Freilichtmuseum. In der Kreativecke werkelten einige Kinder fleißig mit Ästen und Lindenbast. Selbst mir juckte es in den Fingern mitzumachen.

Fischerhütte

Jagdzelt

Ob die Eberesche bewusst zwischen die Gebäude gesetzt wurde weiß ich nicht. Aber inzwischen weiß ich, nach dem Beginn meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin, dass das Bäumchen perfekt platziert ist. Ebereschen sind nicht nur ein wichtiger Vitaminlieferant für unsere Ahnen gewesen. Roh sind die Früchte zwar ungenießbar, aber getrocknet wurden sie als Heilmittel bei typischen Erkrankungen im Winter eingesetzt, wie Rheuma und Atemwegskrankheiten. Dazu hielt die Eberesche böse Geister fern!

Müde wie ich inzwischen war schaute ich mir nicht alle ausgestellten Exponate im Museumsgebäude an. Das Wetter war zudem viel zu schön um noch mehr Zeit in einem Gebäude zu verbringen. Mich zog es auf den Steg zum Federsee selbst, wo ich einfach abschalten und den verbliebenen Sommernachmittag genießen konnte.

Diese paar Stunden sind mir einen eigenen Blogpost wert, denn hier soll es ja hauptsächlich um die Pfahlbauten gehen. Doch bei dieser ersten richtigen Entspannungspause ging mir durch den Kopf, dass es nach diesem Ausflug auf jeden Fall noch einen zweiten geben muss, ins Pfahlbaumuseum am Bodensee.

Zum Abschluss des Tages hielt ich doch noch ganz kurz für ein Foto von der Klosterkirche in Zwiefalten. Aber wirklich nur ganz kurz.dsc_0880

 

 

 

Tour 2 – Zum Bodensee nach Unter-Uhldingen

Der frühe Vogel fängt den Wurm!

Frühaufsteher sind in den Ferien an der Museumskasse vom Pfahlbaumuseum in Unter-Uhldingen klar im Vorteil! Doch die Vorteile beginnen schon vorher.

Wer früh aufsteht hat in der Regel keine Probleme auf der A81 von Stuttgart aus in Richtung Süden und ärgert sich höchstens über den Nebel auf halber Strecke. Um 9:30 Uhr hatte ich die Qual der Wahl auf dem Parkplatz, prüfte den Sonnenstand, überdachte meine Aufenthaltsdauer, schätzte ab, an welchem Baum am längsten mit Schatten zu rechnen sein könnte, bis ich nach ein paar Runden das Auto endlich abgestellt hatte. Fünfzehn Minuten später, nach einem entspannten Spaziergang, konnte ich am Museumseingang direkt bezahlen und zehn Minuten später eine Führung in überschaubarer Besuchergröße mitmachen.

Tipp: Der erste Teil der Führung ist eine multimediale Tauchreise, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Obwohl mir enge, geschlossene Räume recht unangenehm sind, konnte ich diesen Teil durch die Art der gezeigten Informationen ganz gut aushalten. Den anschließenden Rundgang erlebt man ja wieder „über Wasser“ in der realen Welt . ;.)

Ich konnte die Zeit dort richtig genießen. Die Anlage war, wie auf den Fotos zu sehen, zwar nicht menschenleer, doch noch wenig besucht. Die drei bis vier Besuchergruppen verteilten sich gut. Eine Stunde später sah es auf dem Museumsgelände ganz anders aus, nach der Schlange an der Kasse zu schließen, an der ich beim Verlassen vorbei musste.

 

 

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